Irgendwann in der Entwicklung eines Unternehmens landet die Frage auf der Agenda der Geschäftsleitung: Sollten wir eine eigene Juristin, einen eigenen Juristen einstellen? Sie stellt sich selten abstrakt. Sie kommt als Vertragsstau, über den sich der Vertrieb beschwert, als Honorarrechnung, bei der der CFO zweimal hinschaut, oder als Finanzierungsrunde, in der niemand im Haus die Feder führen konnte. Der Reflex ist, das als Ja-Nein-Entscheidung zu behandeln. Nützlicher ist es, sie als Sortierübung zu verstehen: Welche Rechtsarbeit gehört ins Unternehmen, und welche wird nie dorthin gehören?
Drei Tests: Volumen, Wiederkehr, strategisches Gewicht
Das Volumen ist der offensichtlichste Test, aber der gröbste. Die jährlichen externen Kosten sind ein Ausgangspunkt, doch ein einzelner Rechtsstreit oder eine Akquisition kann die Rechnung eines Jahres dominieren, ohne etwas über die Grundlast auszusagen. Die bessere Frage: Gibt es Woche für Woche genug juristische Arbeit, um eine gute Generalistin auszulasten, nicht im Spitzenmonat, sondern im gewöhnlichen?
Die Wiederkehr zählt mehr. Ist die Arbeit ihrer Art nach dieselbe (Kundenverträge, Einkaufsbedingungen, Geheimhaltungsvereinbarungen, arbeitsrechtliche Fragen, gelegentlich Datenschutz), belohnt sie jemanden, der das Geschäft einmal lernt und dieses Wissen täglich anwendet. Ist sie dagegen eine Abfolge von Einzelfällen aus verschiedenen Gebieten, verbringt ein Inhouse-Generalist seine Zeit ohnehin damit, externe Spezialisten zu instruieren.
Das strategische Gewicht ist der am häufigsten übersehene Test. Wo juristisches Urteil Entscheidungen prägt (Markteintritt, Preismodell, Partnerschaften, das Verhältnis zur Aufsicht), wollen Sie dieses Urteil früh am Tisch, nicht nachträglich im Memo. Ein Unternehmen, das seine Zukunft in reguliertem Gebiet verhandelt, braucht eine juristische Stimme in der Runde; ein Unternehmen mit hohem, aber routinemässigem Vertragsfluss vielleicht nicht.
Zeigen zwei der drei Tests nach innen, lohnt sich die erste Stelle in der Regel. Zeigt nur das Volumen nach innen, ist eine strukturierte externe Lösung oft die bessere Antwort.
Was eine erste Inhouse-Juristin gut kann
Das eigentliche Produkt der ersten Stelle ist Kontext. Wer das Produkt, den Dealflow und die tatsächliche Risikobereitschaft des Unternehmens kennt, macht aus einer Prüfung, die extern eine Woche dauerte, eine Antwort am selben Tag, weil er das Geschäft nicht jedes Mal neu rekonstruieren muss.
Ebenso wichtig ist die Triage: zu wissen, welche Verträge eine Verhandlung verdienen und welche unterschrieben werden können, welche Reklamation Rauschen ist und welche der Anfang eines Rechtsstreits. Dazu kommen Playbooks, Vorlagen und ein geordnetes Vertragsarchiv: institutionelles Gedächtnis, das dem Unternehmen gehört. Und eine gute Inhouse-Juristin wird zur intelligenten Einkäuferin externer Leistungen: Sie definiert den Auftrag präzise, vergleicht Offerten und akzeptiert keine offenen Mandate.
Was trotzdem extern bleibt
Drei Kategorien von Arbeit wandern nicht nach innen, so gut die Besetzung auch ist.