Wie die Umwandlung funktioniert
Das Fusionsgesetz sieht einen echten Rechtsformwechsel vor: Die GmbH wird nicht liquidiert, und nichts wird auf eine neue Gesellschaft übertragen. Dieselbe juristische Person besteht als AG weiter — Verträge, Arbeitsverhältnisse, Bewilligungen, geistiges Eigentum und Bankkonten bleiben exakt, wo sie sind. Genau das ist der Sinn des Instruments.
Das Verfahren ist formell, aber eingespielt: Die Geschäftsführung erstellt Umwandlungsplan und -bericht, eine Prüfbestätigung wird eingeholt, die Gesellschafter beschliessen die Umwandlung in qualifizierter Form, neue Statuten werden verabschiedet, und der Wechsel wird im Handelsregister eingetragen. Weil die AG ein Kapital von CHF 100'000 mit mindestens CHF 50'000 Liberierung verlangt, verbindet eine GmbH am Minimum von CHF 20'000 die Umwandlung mit einer Kapitalerhöhung — aus einbehaltenen Reserven, wo vorhanden, sonst durch neue Einlagen.
Wann Unternehmen den Schritt typischerweise machen
Der Auslöser ist fast immer dasselbe Bündel von Ereignissen. Eine institutionelle Finanzierungsrunde steht an, und die Investoren erwarten Aktien — anonym, frei übertragbar, jedem Fonds vertraut. Ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm ist geplant, das sich mit Aktien weit einfacher führen lässt als mit Stammanteilen. Das Eigentümerfeld verbreitert sich, und die öffentliche Sichtbarkeit jedes GmbH-Gesellschafters im Handelsregister wird zum echten Nachteil. Oder das Unternehmen ist international unterwegs, wo das Etikett AG schlicht besser reist.
Trifft nichts davon zu, besteht meist keine Eile: Die GmbH bleibt eine ausgezeichnete Form für ein stabiles Unternehmen in festen Händen.
Das Zusammenspiel mit einer Finanzierung
Der praktische Fehler ist nicht, die Umwandlung zu machen — sondern sie zu spät zu machen. Investoren machen die AG-Form regelmässig zur Bedingung des Closings, und eine in der Signing-Woche verhandelte Umwandlung bringt Kosten, Stress und vermeidbare Abhängigkeiten in die Transaktion. Früh erledigt, ist die Umwandlung ein ruhiger, eigenständiger Schritt; spät erledigt, liegt sie auf dem kritischen Pfad Ihrer Finanzierung.
Die saubere Abfolge: Zielstruktur mit den Investoren im Term Sheet klären, Umwandlung und neue Statuten abschliessen, bevor die Dokumentation der Runde finalisiert wird, und die Runde dann in ordentliche Aktien closen lassen. Revisor und Notariat früh einbinden — ihre Bestätigungen liegen auf dem kritischen Pfad.
Worauf Sie achten sollten
- Behandeln Sie die Umwandlung als Teil der Finanzierungsvorbereitung, neben Cap Table und Aktionärbindungsvertrag.
- Klären Sie früh, ob die Kapitalerhöhung aus Reserven finanziert werden kann oder frisches Geld braucht.
- Ist keine Finanzierung in Sicht, stellen Sie die Frage erst dann wieder — nicht vorher.
Ob und wann die Umwandlung für Ihr Unternehmen Sinn ergibt, hängt von Ihren Plänen ab; die Abfolge für Ihre konkrete Situation planen wir gerne mit Ihnen.